Die meisten Facebook-Nutzer haben jahrelang ihr soziales Leben, berufliche Kontakte und persönliche Interessen in einem einzigen Profil vermischt. Dabei entstand oft ein digitales Durcheinander, das weder der privaten noch der professionellen Seite wirklich gerecht wurde. Was viele nicht wissen: Facebook hat eine Funktion eingeführt, die genau dieses Problem elegant löst – und die dennoch erstaunlich wenig bekannt ist.
Mehrere Profile unter einem Dach: So funktioniert die versteckte Facebook-Funktion
Facebook ermöglicht es mittlerweile, bis zu vier zusätzliche Profile neben dem Hauptprofil unter einem einzigen Account zu verwalten. Das bedeutet konkret: Ein Login, eine E-Mail-Adresse, aber insgesamt bis zu fünf völlig getrennte digitale Identitäten mit jeweils eigenen Freundeslisten, Inhalten und Interessen. Der Clou dabei ist, dass ihr zwischen diesen Profilen nahtlos wechseln könnt, ohne euch jedes Mal neu anmelden zu müssen.
Diese Funktion unterscheidet sich grundlegend von den bekannten Facebook-Seiten oder Business-Accounts. Während eine Seite primär für Unternehmen, Marken oder öffentliche Persönlichkeiten gedacht ist, handelt es sich bei den zusätzlichen Profilen um vollwertige persönliche Profile mit allen damit verbundenen Funktionen. Die Möglichkeit, mehrere digitale Identitäten zu verwalten, verändert die Art und Weise, wie wir soziale Netzwerke nutzen können.
Warum mehrere Profile Sinn ergeben können
Die Gründe für separate Profile sind vielfältiger, als man zunächst denken mag. Viele Menschen führen ein komplexes digitales Leben, das sich nicht problemlos in ein einzelnes Profil pressen lässt. Ein klassisches Beispiel wäre jemand, der beruflich im kreativen Bereich tätig ist und gleichzeitig leidenschaftlicher Gamer sowie politisch engagiert ist. Diese drei Interessengebiete sprechen völlig unterschiedliche Zielgruppen an und funktionieren am besten getrennt.
Auch für Menschen mit unterschiedlichen Sprachkreisen kann die Funktion Gold wert sein. Wer beispielsweise in Deutschland lebt, aber enge familiäre Bindungen ins Ausland pflegt, kann ein deutschsprachiges Profil für den Alltag und ein weiteres in der Muttersprache für Familie und Kindheitsfreunde führen. So vermeidet man die unangenehme Situation, dass deutsche Bekannte mit fremdsprachigen Inhalten überflutet werden, die sie nicht verstehen.
Berufliche Trennung ohne Kompromisse
Besonders interessant wird die Funktion für Freelancer, Selbstständige oder Menschen in sensiblen Berufen. Während ein komplett privater Account ausschließlich für engste Freunde und Familie gedacht sein kann, lässt sich ein zweiter Account für Branchenkontakte nutzen, ohne dabei zu viel Privates preisgeben zu müssen. Das funktioniert deutlich authentischer als ein LinkedIn-Profil und bleibt trotzdem professionell. Die Kontrolle über verschiedene Aspekte der eigenen Online-Präsenz gibt vielen die Sicherheit zurück, die im Zeitalter sozialer Medien verloren ging.
So richtet ihr zusätzliche Profile ein
Die Einrichtung ist überraschend unkompliziert. Ihr öffnet die Facebook-App auf eurem Smartphone oder navigiert im Browser zu den Kontoeinstellungen. Dort findet ihr unter dem Menüpunkt „Konten-Center“ die Option „Profile“. Mit einem Klick auf „Neues Profil erstellen“ startet der Prozess, der euch Schritt für Schritt durch die wichtigsten Einstellungen führt.
Facebook fragt euch nach einem Namen für das neue Profil. Hier gibt es einen entscheidenden Unterschied zum Hauptprofil: Während für euer ursprüngliches Profil weiterhin die Klarnamen-Richtlinie gilt, könnt ihr für die zusätzlichen Profile jeden beliebigen Namen wählen. Das eröffnet die Möglichkeit, Künstlernamen, Pseudonyme oder themenspezifische Namen zu verwenden. Anschließend könnt ihr ein separates Profilbild und Titelbild hochladen sowie eine Bio verfassen, die perfekt zum jeweiligen Verwendungszweck passt.

Die wichtigsten Einstellungen für maximale Kontrolle
Nach der Erstellung solltet ihr die Privatsphäre-Einstellungen für jedes Profil individuell anpassen. Jedes der Profile verfügt über komplett unabhängige Einstellungen bezüglich Sichtbarkeit, Freundschaftsanfragen und Post-Interaktionen. Ihr könnt beispielsweise ein Profil komplett öffentlich gestalten, während ein anderes nur für bestätigte Freunde sichtbar ist.
Die Freundeslisten sind vollständig getrennt. Personen, die mit einem eurer Profile befreundet sind, sehen eure anderen Profile nicht automatisch und müssen bei Bedarf separate Freundschaftsanfragen senden. Das gibt euch maximale Kontrolle darüber, wer welche Seite von euch zu sehen bekommt. Diese Trennung schafft echte digitale Räume, die sich nicht überschneiden.
Zwischen Profilen wechseln: Der praktische Alltag
Der Wechsel zwischen den Profilen erfolgt über ein Dropdown-Menü, das ihr über euer Profilbild erreicht. Ein Klick genügt, und ihr befindet euch in einem völlig anderen digitalen Universum mit anderen Newsfeeds, Nachrichten und Benachrichtigungen. Facebook merkt sich dabei eure Präferenz, sodass ihr beim nächsten Öffnen der App automatisch beim zuletzt genutzten Profil landet.
Praktisch ist auch, dass jedes Profil separate Benachrichtigungen erhält. Ihr könnt die Benachrichtigungseinstellungen so anpassen, dass ihr beispielsweise für euer Hauptprofil Echtzeit-Benachrichtigungen erhaltet, während ihr für die anderen Profile nur gelegentlich eine Zusammenfassung bekommt. Diese Flexibilität verhindert, dass ihr von Meldungen überflutet werdet.
Einschränkungen und Grenzen der Funktion
So praktisch die Funktion auch ist, sie kommt mit einigen Einschränkungen daher. Bestimmte Facebook-Funktionen sind nur über das Hauptprofil verfügbar. Dazu gehören Facebook Dating, der Marketplace und der Profi-Modus. Wer diese Dienste nutzen möchte, muss dies über sein ursprüngliches Profil tun.
Facebook entwickelt die Funktion jedoch kontinuierlich weiter, sodass einige dieser Limitierungen möglicherweise in Zukunft aufgehoben werden. Da sich die Mehrprofil-Funktion noch im Ausbauprozess befindet, werden nach und nach weitere Funktionen für zusätzliche Profile freigeschaltet. Es lohnt sich also, regelmäßig nach Updates Ausschau zu halten.
Beachtet die Community-Standards
Facebook macht deutlich, dass die Mehrprofil-Funktion nicht dazu gedacht ist, Richtlinien zu umgehen oder irreführende Identitäten zu erstellen. Verstöße können zur Sperrung aller Profile führen, da sie technisch unter einem Account laufen. Die Funktion ist für legitime Anwendungsfälle gedacht – nicht für Trolling oder Identitätsmissbrauch. Wer die Funktion respektvoll nutzt, hat allerdings nichts zu befürchten.
Alternativen und ergänzende Strategien
Für manche Nutzer könnte eine Kombination aus Hauptprofil, zusätzlichen Profilen und Facebook-Seiten die optimale Lösung darstellen. Eine Facebook-Seite bietet Statistiken, Werbeoptionen und ist speziell für öffentliche Kommunikation konzipiert, während die zusätzlichen Profile eher für authentische, aber separierte persönliche Netzwerke gedacht sind.
Die Möglichkeit, mehrere Profile zu führen, gibt Facebook-Nutzern eine Flexibilität zurück, die viele bereits aufgegeben hatten. Statt sich zwischen völliger Offenheit und maximaler Privatsphäre entscheiden zu müssen, ermöglicht die Funktion nuancierte digitale Identitäten, die den verschiedenen Facetten unseres Lebens gerecht werden. Wer die Funktion durchdacht einsetzt, kann damit sein Facebook-Erlebnis erheblich verbessern und gleichzeitig die Kontrolle über die eigene digitale Präsenz zurückgewinnen. Die verschiedenen Profile werden zu echten Werkzeugen der digitalen Selbstorganisation.
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