Was ist Klarträumen und warum erlebst du es, laut Psychologie?

Dein Gehirn spielt nachts verrückt – und das sagt einiges über deine Superkräfte aus

Du bist mitten in einem absolut absurden Traum. Vielleicht fliegst du gerade über deine Heimatstadt, oder dein Chef hat sich plötzlich in einen sprechenden Flamingo verwandelt. Und dann – Zack! – schießt dir dieser eine Gedanke durch den Kopf: „Warte mal… das ergibt überhaupt keinen Sinn. Ich träume gerade!“ Aber anstatt aufzuwachen, bleibst du im Traum. Nur jetzt kannst du die Handlung steuern wie in deinem eigenen persönlichen Videospiel.

Willkommen in der wilden Welt des Klarträumens. Das ist nicht irgendeine esoterische Hippie-Geschichte – das ist echte Wissenschaft, und dein Gehirn macht dabei Dinge, die Forscher total faszinieren. Etwa 55 Prozent aller Menschen erleben mindestens einmal im Leben bewusst, dass sie gerade träumen. Und wenn du zu denen gehörst, die das öfter haben? Dann könnte das tatsächlich etwas richtig Cooles über deine kognitiven Fähigkeiten verraten.

Was zum Teufel passiert da eigentlich in deinem Kopf?

Normalerweise ist dein Gehirn während eines Traums im absoluten Chaos-Modus. Du befindest dich in der REM-Phase – das ist die Schlafphase, in der die wildesten Geschichten ablaufen. Währenddessen nimmt der präfrontale Kortex, dieser Bereich direkt hinter deiner Stirn, eine kleine Auszeit. Der ist normalerweise für logisches Denken, Planung und Selbstreflexion zuständig. Wenn der schläft, erklärt das, warum du im Traum total akzeptierst, dass deine Oma plötzlich Karate kann oder du mit einem Delfin zur Arbeit fährst.

Beim Klarträumen passiert aber etwas total Verrücktes: Dieser präfrontale Kortex wacht auf. Nicht komplett, aber genug, um dir bewusst zu machen – „Hey, das hier ist nicht real!“ Forscher von der Universität Bonn und vom Max-Planck-Institut haben das 2014 sogar mit Gehirnscans nachgewiesen. Die haben sich Leute angeschaut, die richtig gut im Klarträumen sind, und konnten live zusehen, wie bestimmte Hirnareale während des luziden Traums plötzlich hochfuhren – besonders der präfrontale Kortex und der Precuneus, ein Bereich, der für dein Selbstbewusstsein zuständig ist.

Du bist gleichzeitig der Spieler und der Programmierer deines eigenen Traums. Ziemlich cool, oder?

Manche Gehirne sind einfach anders gebaut

Hier wird es richtig interessant: Menschen, die regelmäßig Klarträume haben, haben tatsächlich messbare Unterschiede in ihrer Gehirnstruktur. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut haben die Gehirne von 52 Leuten gescannt und dabei etwas Faszinierendes entdeckt: Der anteriore größere präfrontale Kortex war bei häufigen Klarträumern stärker ausgeprägt als bei anderen Menschen. Dieser Bereich ist für höhere kognitive Funktionen verantwortlich und nicht nur für das Bewusstsein im Traum wichtig.

Er ist auch dein persönlicher innerer Beobachter für etwas, das Psychologen Metakognition nennen. Das bedeutet: Du denkst über dein eigenes Denken nach. Du bist quasi dein eigener Regisseur, der ständig überwacht, was in deinem Kopf abgeht. „Warum habe ich das gerade gedacht?“ – „Bin ich mir bei dieser Entscheidung wirklich sicher?“ – „War das ein logischer Gedankengang oder totaler Blödsinn?“

Die Forscher haben in einer Folgestudie rausgefunden, dass Klarträumer auch im Wachzustand krass gut darin sind, ihre eigenen Denkprozesse zu bewerten. Sie konnten genauer einschätzen, wie sicher sie sich bei Entscheidungen waren, und hatten ein schärferes Gespür dafür, wann ihr Gehirn sie vielleicht aufs Glatteis führen will. Mit anderen Worten: Wer im Traum checkt, dass er träumt, ist auch tagsüber besser darin, sich selbst zu durchschauen.

Die Sache mit den Gamma-Wellen

Falls du dachtest, das wäre schon alles – Pustekuchen! Es gibt noch einen weiteren wissenschaftlichen Knaller: Gamma-Wellen. Das sind hochfrequente Gehirnwellen, die normalerweise mit intensiver Konzentration und bewusstem Denken verbunden sind. Also mit Zuständen, wenn du richtig wach bist und dein Gehirn auf Hochtouren läuft.

Schlafforscher haben entdeckt, dass diese Gamma-Wellen während Klarträumen verstärkt im Stirnhirn auftauchen. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie hat das gemessen und festgestellt: Während eines luziden Traums feuert dein Gehirn mit etwa 40 Hertz – ähnlich wie wenn du hellwach bist und dich konzentrierst. Es ist, als würde dein Gehirn einen Turbogang einlegen, während du eigentlich schlafen solltest.

Diese erhöhte Aktivität sorgt dafür, dass verschiedene Hirnregionen plötzlich viel besser miteinander kommunizieren. Dein schlafendes Gehirn verhält sich wie ein waches, und das erklärt diese bizarre Erfahrung, gleichzeitig in einem Traum gefangen zu sein und trotzdem zu wissen, dass nichts davon real ist. Ein neurologischer Drahtseilakt zwischen zwei Welten.

Warum haben manche Leute das ständig und andere nie?

Gute Frage! Die Wissenschaft sagt: Es ist eine Mischung aus angeboren und trainierbar. Manche Menschen scheinen einfach mit einer Veranlagung für Klarträume auf die Welt zu kommen. Die strukturellen Unterschiede im Gehirn, die wir gerade besprochen haben, könnten teilweise genetisch bedingt sein.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle spielen. Menschen, die im Big-Five-Persönlichkeitstest bei „Offenheit für Erfahrungen“ hoch punkten, berichten häufiger von Klarträumen. Das macht Sinn – wer generell neugieriger auf seine innere Welt ist und gerne neue Dinge ausprobiert, hat wahrscheinlich auch öfter diese bewussten Traumerlebnisse.

Aber – und das ist die wirklich gute Nachricht – du kannst Klarträumen lernen. Der deutsche Psychologe Paul Tholey hat schon in den 1980er Jahren Techniken entwickelt, mit denen du dein Gehirn quasi darauf trainieren kannst, im Traum aufzuwachen. Seine Methode basiert auf sogenannten Reality Checks: Du stellst dir mehrmals am Tag die Frage „Träume ich gerade?“ und überprüfst es, indem du zum Beispiel versuchst, durch deine Hand zu sehen oder einen Text zweimal liest.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht! Die Idee dahinter ist simpel: Wenn du dir im Wachzustand ständig diese Frage stellst, wird sie irgendwann zu so einer tiefen Gewohnheit, dass du sie auch im Traum stellst. Und dann – Bingo! – merkst du plötzlich, dass du träumst. Wissenschaftliche Studien haben bestätigt, dass solche Techniken tatsächlich funktionieren und die Häufigkeit von Klarträumen signifikant erhöhen können.

Was sagt es über dich aus, wenn du ein Klartraum-Profi bist?

Wenn du zu den Leuten gehörst, die regelmäßig mitten im Traum aufwachen und denken „Aha, ich träume gerade!“, dann ist das tatsächlich ein Zeichen für bestimmte kognitive Stärken. Du bemerkst subtile Veränderungen in deinen Gedanken und Gefühlen schneller als andere Menschen. Während die meisten einfach so durch den Tag düsen, hast du einen inneren Beobachter, der ständig mitschreibt.

Du kannst deine eigenen Denkprozesse kritischer bewerten und weißt genauer, wann du dir bei etwas sicher bist und wann nicht. Das ist eine Fähigkeit, die in der echten Welt extrem nützlich ist. Du bist vermutlich neugieriger auf deine innere Welt und bereit, sie zu erkunden. Die Fähigkeit, im Traum bewusst zu handeln und die Handlung zu steuern, könnte mit generell flexiblerem Problemlösen zusammenhängen. Dein Gehirn ist besser darin, zwischen verschiedenen Perspektiven zu wechseln.

Das Zeug hat sogar therapeutischen Nutzen

Klarträumen ist nicht nur ein faszinierendes Party-Thema – es kann tatsächlich helfen, echte psychologische Probleme zu lösen. Besonders bei wiederkehrenden Albträumen setzen Therapeuten zunehmend auf Klartraum-Techniken. Die Logik ist brillant einfach: Wenn du mitten in einem Albtraum merkst, dass du träumst, kannst du die Situation aktiv verändern oder dich dem angstauslösenden Element bewusst stellen.

Bei Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung sind Albträume ein riesiges Problem. Sie erleben die traumatischen Ereignisse Nacht für Nacht aufs Neue. Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass Training in luzidem Träumen bei PTBS-Patienten die Häufigkeit von Albträumen um 42 Prozent senken konnte. Indem die Betroffenen lernten, ihre Träume zu kontrollieren, gewannen sie ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück, das durch das Trauma verloren gegangen war. Für viele Menschen ist das lebensverändernd.

Kannst du es lernen? Absolut!

Falls du jetzt denkst: „Verdammt, das klingt cool, aber ich hatte noch nie einen Klartraum“ – keine Sorge! Wie gesagt, du kannst dein Gehirn trainieren. Hier sind die bewährten Methoden, die wissenschaftlich funktionieren.

Reality Checks sind dein bester Freund. Stell dir mehrmals am Tag die Frage: „Träume ich gerade?“ Überprüfe es, indem du versuchst, durch deine Handfläche zu sehen, oder indem du einen Text liest, wegsiehst und ihn nochmal liest. In Träumen verändert sich Text oft oder sieht beim zweiten Mal völlig anders aus. Wenn du das zur Gewohnheit machst, wirst du es irgendwann automatisch auch im Traum machen – und dann merkst du, dass du träumst.

Führe ein Traumtagebuch. Leg dir ein Notizbuch neben dein Bett und schreib jeden Morgen sofort nach dem Aufwachen auf, was du geträumt hast. Auch wenn es nur Bruchstücke sind. Das schärft dein Bewusstsein für Träume und macht es wahrscheinlicher, dass du während des Träumens erkennst, was los ist. Dein Gehirn lernt quasi, Träume als solche zu identifizieren.

Sei geduldig. Bei den meisten Menschen passiert es nicht sofort. Manche haben nach ein paar Wochen ihren ersten Klartraum, bei anderen dauert es Monate. Und selbst wenn du die Techniken beherrschst, werden Klarträume wahrscheinlich nicht jede Nacht auftreten. Bei den meisten Menschen sind sie eher sporadische Ereignisse – aber wenn sie passieren, ist es jedes Mal ein krasser Trip.

Was Klarträumen uns über Bewusstsein verrät

Hier wird es philosophisch: Klarträumen zeigt uns, dass Bewusstsein kein simpler An-oder-Aus-Schalter ist. Es gibt nicht nur „wach“ und „schlafend“. Es gibt diesen verrückten Zwischenzustand, in dem du gleichzeitig schläfst und wach bist, träumst und denkst, erlebst und beobachtest.

Für die Wissenschaft ist das unglaublich wertvoll, weil es zeigt, wie flexibel und vielseitig unser Gehirn wirklich ist. Bewusstsein existiert offenbar in verschiedenen Abstufungen und Kombinationen. Dein Gehirn kann Teile von sich selbst hochfahren, während andere Teile weiterschlafen – wie ein Computer, der im Hintergrund Updates installiert, während du noch daran arbeitest.

Warum sollte dich das überhaupt interessieren?

Ganz ehrlich? Weil es verdammt cool ist und dir echte Vorteile bringt. Du könntest jede Nacht in eine Welt eintauchen, in der du die komplette Kontrolle hast. Du könntest fliegen, mit längst verstorbenen Menschen sprechen, unmögliche Orte besuchen – alles völlig sicher in deinem eigenen Kopf. Für viele Klarträumer ist das wie ein zweites Leben, in dem die normalen Regeln nicht gelten.

Aber es geht nicht nur um die coolen Erlebnisse. Die Fähigkeit, deine eigenen Gedankenprozesse zu beobachten und zu steuern, ist im echten Leben extrem wertvoll. Du triffst bessere Entscheidungen, weil du erkennst, wann dein Gehirn dir einen Streich spielt. Du lernst schneller aus Fehlern, weil du verstehst, wo dein Denken schieflief. Du kommunizierst besser, weil du dir bewusst bist, wie deine Gedanken und Gefühle dein Verhalten beeinflussen.

Klarträumen ist wie ein Fenster in die Funktionsweise deines eigenen Bewusstseins. Und je besser du verstehst, wie dein Gehirn tickt, desto mehr kannst du daraus rausholen – nachts und tagsüber. Wenn du häufig Klarträume erlebst, ist das tatsächlich ein Hinweis darauf, dass bestimmte Bereiche deines Gehirns besonders gut entwickelt sind. Dein Gehirn ist aktiver, vernetzter und strukturell anders als bei vielen anderen Menschen. Diese neurologische Besonderheit zeigt sich nicht nur nachts, sondern auch in deiner Fähigkeit zur Selbstreflexion im Alltag.

Also, hast du schon mal mitten im Traum gedacht: „Warte mal, das ergibt überhaupt keinen Sinn“? Dann gehörst du zu einer ziemlich faszinierenden Gruppe von Menschen, deren Gehirn die Grenzen zwischen Schlaf und Wachsein auf bemerkenswerte Weise verwischt. Dein nächtliches Bewusstsein verrät mehr über deine kognitiven Fähigkeiten, als du vielleicht denkst. Vielleicht ist es an der Zeit, diese Superkraft bewusst zu erforschen. Wer weiß, was du in deinen Träumen noch alles entdecken kannst, wenn du erst einmal weißt, dass du träumst?

Was machst du, wenn du mitten im Traum merkst: Ich träume!
Abheben und fliegen
Alles kontrollieren
Sofort aufwachen
Panik schieben
Weiterträumen wie nix wär

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