Die überraschenden Vorlieben erfolgreicher Menschen – und warum sie funktionieren
Du kennst diese Leute bestimmt. Sie scheinen im Job alles richtig zu machen, klettern die Karriereleiter hoch wie andere Leute Netflix-Serien durchbingen, und irgendwie wirken sie dabei noch entspannter als du nach drei Tassen Kaffee. Frustierend, oder? Aber hier kommt die gute Nachricht: Psychologen haben jahrzehntelang geforscht und herausgefunden, dass beruflicher Erfolg weniger mit gottgegebenem Talent zu tun hat als mit bestimmten Gewohnheiten und Vorlieben, die man lernen kann. Ja, wirklich.
Die wissenschaftliche Community hat mittlerweile ziemlich genau durchleuchtet, was erfolgreiche Menschen anders machen. Und nein, es geht nicht darum, um vier Uhr morgens aufzustehen oder kalte Duschen zu nehmen. Es sind viel subtilere Dinge – die Art, wie diese Menschen ihren Tag strukturieren, welche Umgebungen sie bevorzugen und wie sie mit anderen interagieren. Das Beste daran? Diese Muster sind nicht exklusiv für die oberen Zehntausend reserviert. Du kannst sie dir heute noch aneignen.
Die Big Five: Dein Persönlichkeits-Werkzeugkasten für die Karriere
Wenn Psychologen über Persönlichkeit reden, schwören sie auf das sogenannte Big-Five-Modell. Das sind fünf grundlegende Dimensionen, die beschreiben, wie Menschen ticken. Und hier wird es spannend: Großangelegte Studien, darunter eine Metaanalyse von Wilmot und Ones aus dem Jahr 2022 mit fast zwei Millionen Teilnehmern, zeigen klare Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und beruflichem Erfolg.
An erster Stelle steht Gewissenhaftigkeit. Menschen mit dieser Eigenschaft lieben Struktur, Planung und To-Do-Listen. Sie sind diejenigen, die ihre Woche am Sonntagabend durchplanen und tatsächlich dabei bleiben. Klingt spießig? Vielleicht. Aber die Wissenschaft ist eindeutig: Gewissenhafte Menschen verdienen mehr, erreichen höhere Positionen und bekommen bessere Beurteilungen. Sie haben eine Vorliebe für organisierte Arbeitsabläufe und klare Ziele – und das zahlt sich messbar aus.
Dann kommt Verträglichkeit, und hier wird es überraschend. Lange dachten viele, dass „nette Menschen“ im Haifischbecken Beruf den Kürzeren ziehen. Pustekuchen. Die Metastudie von Wilmot und Ones bewies das Gegenteil: Menschen, die Wert auf Kooperation, Empathie und harmonische Beziehungen legen, sind nicht nur erfolgreicher, sondern auch zufriedener im Leben insgesamt. Sie bevorzugen Teamwork statt Ellenbogenmentalität und investieren Zeit in echte berufliche Beziehungen. Und genau das verschafft ihnen langfristig einen Vorteil.
Emotionale Stabilität: Warum cool bleiben Gold wert ist
Kennst du diese Menschen, die selbst dann ruhig bleiben, wenn das Projekt im Chaos versinkt und der Chef durchdreht? Das ist keine Zauberei, sondern emotionale Stabilität. In der Psychologie wird das als niedrige Ausprägung von Neurotizismus bezeichnet – ein sperriges Wort für eine einfache Sache: Diese Leute lassen sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen.
Eine faszinierende Längsschnittstudie im Journal of Vocational Behavior von Hirschi und Kollegen zeigt einen bidirektionalen Effekt. Das bedeutet: Emotional stabile Menschen sind erfolgreicher – und Erfolg macht Menschen wiederum stabiler. Ein positiver Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Diese Menschen haben eine Vorliebe für konstruktive Problemlösungsstrategien. Statt nach einem Fehler tagelang zu grübeln, analysieren sie, was schiefging, und machen es beim nächsten Mal besser.
Das heißt nicht, dass du zum emotionslosen Roboter werden sollst. Es geht um die Bevorzugung bestimmter Bewältigungsstrategien: Erfolgreiche Menschen sehen Herausforderungen eher als Lernchance denn als persönliche Katastrophe. Diese mentale Verschiebung mag klein klingen, hat aber laut Forschung massive Auswirkungen auf Stressresilienz und langfristigen Erfolg.
Offenheit für Neues: Die unterschätzte Superpower
In einer Arbeitswelt, die sich schneller dreht als ein Fidget Spinner in den Händen eines gelangweilten Teenagers, ist Offenheit für Erfahrungen unbezahlbar. Menschen mit hoher Offenheit sind die, die sich freiwillig für das neue Softwareprojekt melden, obwohl niemand im Team auch nur ansatzweise Ahnung davon hat. Sie sind neugierig, lernen gerne und suchen aktiv nach intellektuellen Herausforderungen.
Die Hirschi-Studie dokumentiert, dass offene Menschen bestimmte Arbeitsumgebungen bevorzugen: Sie suchen nach Plätzen, die Kreativität fördern, schätzen flexible Arbeitszeiten und mögen Orte, wo Ideen frei diskutiert werden können. Diese Präferenzen sind kein Zufall – sie schaffen genau die Bedingungen, unter denen Innovation gedeiht und berufliche Entwicklung beschleunigt wird. Und das Coole? Je mehr Erfolg diese Menschen haben, desto offener werden sie – wieder dieser positive Kreislauf.
Konkrete Verhaltensweisen, die den Unterschied machen
Basierend auf Metaanalysen zu proaktivem Verhalten und Lernzielorientierung haben Forscher spezifische Gewohnheiten identifiziert, die erfolgreiche Menschen auszeichnen. Diese sind nicht theoretisch, sondern praktisch beobachtbar. Aktive Neugier führt die Liste an – erfolgreiche Menschen stellen Fragen, auch wenn sie dabei riskieren, unwissend zu wirken. Diese Vorliebe für Wissenserwerb führt zu tieferem Verständnis und besseren Entscheidungen.
Dann kommt proaktive Initiative. Statt auf Anweisungen zu warten, gestalten diese Menschen aktiv. Sie verbessern Prozesse, bevor Probleme überhaupt entstehen. Sie holen systematisch Feedback ein und bevorzugen ehrliches Feedback über oberflächliches Schulterklopfen. Beim strategischen Netzwerkaufbau investieren sie bewusst Zeit in berufliche Beziehungen, nicht aus Berechnung, sondern weil sie echte Verbindungen schätzen.
Besonders interessant ist ihre Lernzielorientierung – sie messen Erfolg an persönlichem Wachstum, nicht nur an externen Belohnungen wie Gehalt oder Titel. Sie bleiben anpassungsfähig statt starr an Plänen festzuhalten, wenn sich Umstände ändern. Und sie haben verstanden, dass Energiemanagement wichtiger ist als Zeitmanagement: Sie organisieren ihren Tag nach Energielevel und erledigen anspruchsvolle Aufgaben dann, wenn sie am produktivsten sind. Dabei haben sie eine Vorliebe dafür, Unwichtiges zu eliminieren, statt zu versuchen, alles gleichzeitig zu schaffen.
Der Kreislauf: Erfolg verändert deine Persönlichkeit
Hier kommt eine besonders ermutigende Erkenntnis: Die Verbindung zwischen Persönlichkeit und Erfolg funktioniert in beide Richtungen. Das haben Längsschnittstudien wie die von Hirschi eindeutig gezeigt. Wenn du Karrierefortschritte machst, wirst du im Laufe der Zeit emotional stabiler, offener für neue Erfahrungen und selbstbewusster. Die Persönlichkeit ist also nicht in Stein gemeißelt.
Das bedeutet konkret: Selbst kleine Anpassungen in deinen Vorlieben und Gewohnheiten können einen positiven Kreislauf in Gang setzen. Ein kleiner Erfolg stärkt die Persönlichkeitsmerkmale, die wiederum zu größeren Erfolgen führen. Es ist wie ein Schneeball-Effekt, nur in positiv. Jeder Schritt macht den nächsten leichter, weil sich Erfolg und Persönlichkeitsentwicklung gegenseitig verstärken.
So wendest du das Ganze praktisch an
Die Forschung liefert keine magische Pille, aber klare Muster. Der Trick liegt nicht darin, über Nacht eine komplett andere Person zu werden. Das funktioniert eh nicht und macht auch keinen Spaß. Es geht um bewusste, kleine Anpassungen in deinen täglichen Routinen und Vorlieben.
Wenn Gewissenhaftigkeit nicht deine Stärke ist, fang klein an: Erstelle morgens eine Liste mit drei – nicht dreißig – Prioritäten für den Tag. Investiere zehn Minuten in Planung, statt sofort in den Reaktionsmodus zu springen. Studien zeigen, dass selbst minimale Steigerungen in organisiertem Verhalten messbare Auswirkungen auf die Leistung haben.
Für emotionale Stabilität probiere das: Entwickle eine Vorliebe für konstruktive Selbstreflexion nach Rückschlägen. Statt zu jammern „Warum passiert das immer mir?“, frage lieber „Was kann ich beim nächsten Mal anders machen?“. Diese winzige Verschiebung im mentalen Framing hat laut psychologischer Forschung erhebliche Auswirkungen auf Stressresilienz und langfristigen Erfolg.
Deine Umgebung ist wichtiger, als du denkst
Erfolgreiche Menschen haben nicht nur andere Gewohnheiten – sie bevorzugen auch bestimmte Arbeitsumgebungen. Psychologische Studien zeigen, dass die physische und soziale Umgebung erheblichen Einfluss auf Leistung und Wohlbefinden hat. Und diese Menschen gestalten ihre Umgebung aktiv.
Sie bevorzugen Arbeitsbereiche mit natürlichem Licht, minimalen Ablenkungen und Elementen, die Kreativität fördern. Sie suchen sich bewusst Kollegen und Mentoren, die ihre Entwicklung unterstützen. Und sie verlassen toxische Arbeitsumgebungen schneller, weil sie den Zusammenhang zwischen Umfeld und Erfolg verstehen.
Du musst nicht gleich kündigen, aber du kannst anfangen, deine unmittelbare Umgebung zu optimieren. Vielleicht heißt das, deinen Schreibtisch neu zu organisieren, regelmäßige Kaffeepausen mit inspirierenden Kollegen zu vereinbaren oder gezielt Orte aufzusuchen, die deine Produktivität steigern. Kleine Veränderungen, große Wirkung.
Warum kleine Veränderungen nachhaltiger sind
Die vielleicht ermutigendste Erkenntnis aus der psychologischen Forschung: Persönlichkeit ist veränderbar. Während genetische Faktoren eine Rolle spielen, zeigen Studien eindeutig, dass sich Persönlichkeitsmerkmale im Erwachsenenalter anpassen können – besonders als Reaktion auf bewusste Verhaltensänderungen und neue Erfahrungen.
Das bedeutet, dass die Vorlieben und Gewohnheiten erfolgreicher Menschen keine exklusiven Eigenschaften einer Elite sind, sondern lernbare Muster. Du musst nicht deine gesamte Persönlichkeit umkrempeln. Es geht darum, gezielt jene Aspekte zu stärken, die mit deinen Zielen übereinstimmen.
Beginne mit einer einzigen Präferenz: Vielleicht entwickelst du eine Vorliebe für morgendliche Reflexion, für systematisches Feedback oder für strategischen Netzwerkaufbau. Metaanalysen zu Verhaltensänderung zeigen, dass kleine, konsistente Anpassungen nachhaltiger sind als drastische Umwälzungen. Niemand wird über Nacht zum Superstar – aber jeder kann Schritt für Schritt besser werden.
Die Wissenschaft hinter dem bidirektionalen Effekt
Besonders faszinierend an der Forschung von Hirschi und Kollegen ist der bidirektionale Effekt zwischen Erfolg und Persönlichkeit. Es ist nicht nur so, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zu Erfolg führen. Erfolg formt auch rückwirkend die Persönlichkeit. Das ist ein Game-Changer für alle, die denken, sie seien „einfach nicht so gestrickt“.
Wenn du beginnst, auch nur einige der genannten Gewohnheiten zu übernehmen, startest du eine positive Rückkopplungsschleife. Kleine Erfolge stärken deine Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit oder emotionale Stabilität. Diese gestärkten Merkmale führen zu größeren Erfolgen. Die wiederum stärken deine Persönlichkeit noch mehr. Und so weiter. Es ist ein selbstverstärkender Mechanismus, bei dem jeder Schritt den nächsten einfacher macht.
Was du heute noch tun kannst
Die psychologische Forschung gibt uns keine magische Formel, aber sie zeigt klare, wissenschaftlich fundierte Muster. Die Kombination aus Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, emotionaler Stabilität und Offenheit bildet ein starkes Fundament. Ergänzt durch proaktives Verhalten, Lernorientierung und strategische Selbstreflexion entsteht ein Profil, das stark mit beruflichem Erfolg korreliert.
Das Beste daran: Diese Muster sind zugänglich. Du musst nicht damit geboren sein. Du kannst sie lernen, üben und in dein Leben integrieren. Die Wissenschaft zeigt uns den Weg – gehen musst du ihn selbst. Aber mit jedem Schritt wird der nächste leichter, weil Erfolg und Persönlichkeitsentwicklung sich gegenseitig verstärken.
Also, welche Vorliebe wirst du heute kultivieren? Vielleicht beginnst du damit, nach ehrlichem Feedback zu fragen. Oder du nimmst dir zehn Minuten für Planung am Morgen. Oder du suchst bewusst das Gespräch mit jemandem, der dich inspiriert. Die Studien von Wilmot und Ones mit fast zwei Millionen Teilnehmern, die Längsschnittforschung von Hirschi und die zahlreichen Metaanalysen zu proaktivem Verhalten zeigen alle dasselbe: Kleine, bewusste Anpassungen in deinen Vorlieben und Gewohnheiten können deine Karriere nachhaltig verändern. Du musst keine radikale Persönlichkeitsveränderung durchmachen. Fang einfach irgendwo an. Der positive Kreislauf kümmert sich um den Rest.
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